Um die Unternehmensstrategie und die Unternehmensziele erfolgreich
umzusetzen, müssen die Geschäftsprozesse überwacht und gesteuert
werden. Voraussetzung ist dabei, die Denkprozesse im Unternehmen so zu etablieren,
dass alle Führungskräfte und Mitarbeiter mit dieser einheitlichen
Denkweise an die Lösung von Problemen herangehen.
Wir
haben aus diesem Grund in unserer Management-Reihe einen besonderen Fokus
auf die Prozessbetrachtung gelegt. Denn: Der Prozess folgt der Strategie!
Für jeden Prozess muss eindeutig festgelegt sein, welche Ergebnisse
erwartet werden und welche Eingaben dazu erforderlich sind. Das Prozessziel
bestimmt dabei die Ergebnisse. Daher muss jeder Prozess auf sein Ziel ausgerichtet
werden. Die Prozessziele werden auf der Ebene der Unternehmensziele zusammengeführt.
Beispiel:
Die Kundenzufriedenheit
hängt in erheblichem Maß von der Produktqualität, der Termintreue
und dem Preis ab. Als strategisches Ziel zur Erreichung einer hohen Kundenzufriedenheit
lässt sich ableiten, die Produkte „fehlerfrei“, „rechtzeitig“ und „kostengünstig“ zu
liefern. Um dieses strategische Ziel zu verfolgen und umzusetzen, müssen
operative Ziele festgelegt werden, wie z.B. „Fehler eliminieren“, „Durchlaufzeiten
reduzieren“, „Prozesskosten reduzieren“ usw.. Dies sind
die Vorgaben für die einzelnen Prozessziele und damit für das erfolgreiche
Steuern dieser.
Prozesse stellen die Grundlage dar,
um einerseits die Unternehmensleistung festzustellen und andererseits Strategien
zur Erreichung der Unternehmensziele zu entwickeln (Bild 1).
Es
ist erforderlich, alle wichtigen Prozesse im Unternehmen zu identifizieren
und zu analysieren. Dazu gehört auch die Klärung der Schnittstellen
zu den vor- und nachgeschalteten Prozessen. Auf der Basis der definierten
Prozessziele (Was will man mit dem Prozess erreichen?) müssen im zweiten
Schritt die Prozesse gestaltet werden, d.h. der Prozessablauf, die beteiligten
Personen, die erforderlichen Hilfsmittel usw. sind festzulegen.
Erst wenn die Prozesse und ihr Zusammenwirken im Unternehmen transparent
und verstanden sind, kann man die Ergebnisse messen, bewerten und mit den
Prozesszielen vergleichen.
Ein Prozess kann nur dann
zum gewünschten Ergebnis führen, wenn die festgelegten Eingaben
und der definierte Ablauf die Anforderungen erfüllen. Die Prüfung
dieser Erforderungen erfolgt durch den Vergleich mit den Vorgaben.
Im Umfeld eines Prozesses können geprüft werden (Bild
4):
| 1. | Eingaben, z.B. Materialprüfung vor einem Produktionsprozess |
| 2. | Ergebnisse, z.B. Endprüfung einer Arbeit, wie
Passgenauigkeit, Farbe, Randschluss usw. |
| 3. | Der Prozess direkt, z.B. Ofentemperatur bei einem
Brennprozess |

Möglichkeiten der Prüfung von Prozessen
Prüfungen bei Prozessen können qualitativer
oder quantitativer Art sein.
Qualitative Prüfungen sind
meistens Sicht- oder Funktionsprüfungen. Das Prüfungsergebnis ist
in der Regel eine „In-Ordnung“- oder „Nicht-in-Ordnung“-
Entscheidung.
Quantitative Prüfungen sind
Messungen auf der Basis von Kennzahlen.
Die Feststellung
und Verbesserung der Prozessleistung ist nur mit Hilfe von Kennzahlen, d.h.
auf der Basis von quantitativen Prüfungen sinnvoll möglich. Kennzahlen
lassen feine Abstufungen zu und stellen objektive Messgrößen dar.
Es muss daher das Ziel sein, auch für qualitative Prüfungen geeignete
Kennzahlen zu finden.
Für Produktionsprozesse lassen
sich entsprechende Kennzahlen leicht festlegen, wenn klare Vorgaben an das
Produkt vorliegen. Schwieriger ist die Festlegung von sinnvollen Kennzahlen
für nicht produktive Prozesse, wie Planungsprozesse, Marketing- und Vertriebsprozesse,
Entwicklungsprozesse usw..
Geeignete Kennzahlen können
z.B. sein:
| · | Physikalische Größen (Maße, Gewichte,
Zeit usw.) |
| · | Wirtschaftliche Kennzahlen |
| · | Bewertungspunkte oder Schulnoten |
| · | Relative bzw. prozentuale Veränderungen |
| · | usw. |
Beispiele:
Prozess | Prozessziel | Kennzahl |
Neukundengewinnung | Kundenstamm erweitern | Anzahl Neukunden
pro Jahr |
Auftragsabwicklung | Termintreue sicherstellen | Lieferzeit |
Lagerhaltung | Bestände senken | Lagerbestand |
Produktion | effiziente
Fertigung sicherstellen | Durchlaufzeit |
Produktion | Anteil
der Korrekturen minimieren | Nacharbeitskosten |
Produktion | Qualität
sicherstellen | Anzahl von Fehlern |
Produktion | Qualität
in der Fertigung erhöhen | fertigungsbedingte Garantie- und Kulanzkosten |
Produktion | Produktivität erhöhen | Umsatz pro
Mitarbeiter |
Prozesse können beherrscht oder nicht beherrscht ablaufen.
Ein nicht beherrschter Prozess führt trotz gleicher Eingaben zu unterschiedlichen
Ergebnissen. Die Ursache liegt darin, dass die Bedingungen unter denen der
Prozess abläuft, nicht bekannt und/oder nicht konsequent eingehalten
werden können. Zum Beispiel hängen die Ergebnisse einer handwerklichen
Arbeit immer in hohem Maß von der Verfassung des Auszuführenden
ab. Stimmungsschwankungen und körperliche Einflüsse eines Menschen
sind jedoch nicht ohne weiteres beherrschbar. Daher muss auch mit unterschiedlichen
Ergebnissen gerechnet werden. Bei einem nicht beherrschten Prozess muss auf
jeden Fall neben den Eingaben auch jedes Ergebnis geprüft werden.
Bei einem beherrschten Prozess sind dagegen die Bedingungen unter
denen der Prozess abläuft genau bekannt und können auch stabil eingehalten
werden. Die Ergebnisse sind dann innerhalb eines festgelegten Toleranzbandes
immer gleich. Dies trifft in erster Linie auf automatisierte Prozesse zu.
Solche Prozesse werden durch definierte Parameter gesteuert, die auch überwacht
werden können. Beispielsweise kann das automatisierte Einpressen von
Stiften in Bohrungen durch die Aufzeichnung von Einpresskraft und -weg überwacht
werden. In diesem Fall muss nicht zwangsläufig jedes Endergebnis geprüft
werden, solange die entscheidenden Prozessparameter unverändert bleiben.
Die Prozesse in Dentallabors sind überwiegend durch menschliche
Einflüsse geprägt und daher in die Kategorie "nicht beherrschte
Prozesse" einzuordnen. Aus diesem Grund müssen immer Eingaben und
Ergebnisse geprüft werden. Die Prozessüberwachung kann z.B. durch
Zwischenprüfungen erfolgen.
Prozesse regeln heißt,
dafür Sorge zu tragen, dass die Prozessziele immer erreicht werden. Die
Prozessregelung setzt sich aus zwei Schritten zusammen (Bild 5):
| · | Prozessüberwachung |
| · | Prozesssteuerung |
Bei der Prozessüberwachung werden
die festgelegten Kennzahlen aufgenommen (Messen) und mit der Zielsetzung verglichen
(Analyse). Wird die Zielsetzung nicht erreicht, muss im Rahmen der Prozesssteuerung in
den Prozess eingegriffen werden (Bild 6). Dazu werden Maßnahmen für
geeignete Änderungen im Prozess festgelegt und durchgeführt. Der
Erfolg dieser Maßnahmen wird dann nochmals durch die Prozessüberwachung überprüft.
Sind die Maßnahmen wirksam, so müssen die Kennzahlen wieder die
Zielsetzungen erfüllen. Wird die Zielsetzung erneut verfehlt, sind weitere
Maßnahmen erforderlich.
Beispiel:
Die Qualität einer zahntechnischen Arbeit wird mit Hilfe von
Schulnoten (= Kennzahl) überwacht. Aufgrund der Kundenforderung ist eine
festgelegte Mindestnote, z.B. Note 2 (= Prozessziel) zu erreichen. Wird eine
Arbeit mit der Note 3 bewertet, müssen Maßnahmen zur Nacharbeit
ergriffen werden. Wenn die Maßnahmen wirksam waren, muss die erneute
Beurteilung der Arbeit zu einer besseren Note führen. Ist dies nicht
der Fall, wurden unwirksame Maßnahmen durchgeführt. Der Regelkreis
ist ein weiteres Mal zu durchlaufen.
| Kennzahl außerhalb der
Zielvorgabe Þ Maßnahmen ergreifen |
| Kennzahl im Toleranzbereich Þ Prozess
beobachten |
| Kennzahl innerhalb der Zielvorgabe Þ kein
Handlungsbedarf |
Ziel jedes Unternehmers muss sein, die Geschäftsprozesse
nicht nur zu regeln, sondern sie ständig zu verbessern. Die Prozessverbesserung wird
dadurch erreicht, dass man die Prozessziele regelmäßig überprüft
und an steigenden Ansprüchen ausrichtet, d.h. das Niveau der Ziele steigert.
Durch die entstehende Diskrepanz zu den gemessenen Kenngrößen werden
im Rahmen der Prozessregelung automatisch Maßnahmen zur Prozessoptimierung
eingeleitet.
Beispiel:
Soll
eine höhere Kundenzufriedenheit durch höhere Produktqualität
(=strategisches Ziel) erreicht werden, reicht die Bewertung einer Arbeit mit
der Note 2 nach dem oben genannten Beispiel nicht aus. Die neue Zielsetzung
muss daher Note 1 lauten. Dies ist aber nur durch entsprechende Optimierungsmaßnahmen
im Herstellungsprozess zu erreichen.
Die Auswahl und
Festlegung geeigneter Prozesskennzahlen ist schwierig und muss gezielt erfolgen.
Planloses Erfassen von Zahlen führt nur zu einem unübersichtlichen
Zahlenwerk, dem keinerlei Nutzen zu entnehmen ist. Die Folge ist, dass die
konsequente Prozessregelung und -verbesserung nicht weiter verfolgt wird.
Daher sollten bei der Auswahl von Prozesskennzahlen einige Empfehlungen beachtet
werden:
| 1. | Klären Sie folgende Fragen: | - | Welcher Prozess soll geregelt werden? | | - | Was sind die Prozessergebnisse? | | - | Was ist das Prozessziel? |
|
| 2. | Legen Sie wenige, möglichst einfach zu überwachende
Kennzahlen fest. |
| 3. | Prozesskennzahlen sollten folgende Anforderungen
erfüllen: | - | Sie müssen aussagefähig sein und Anreize
zur Einleitung von Verbesserungsmaßnahmen geben. | | - | Messungen sollen eindeutig belegen, wo die größte
Chance für Verbesserungen ist. | | - | Messungen müssen zweckbestimmend und verständlich
sein. Ein hoher Grad an Genauigkeit ist nicht unbedingt erforderlich. | | - | Messverfahren sollten sich schnell an geänderte
Verhältnisse anpassen lassen. |
|
Beispiel:
In
der Auftragsabwicklung eines Dentallabors sind wesentliche Kennzahlen die
Zeit und die Qualität (z.B. in Form von Schulnoten). Mit Hilfe dieser
beiden Kennzahlen lassen sich z.B. systematische Störungen in der Auftragsabwicklung
identifizieren und beseitigen. Um rechtzeitig eingreifen zu können, müssen
sinnvolle Punkte im Auftragsabwicklungsprozess für Zeit- und Qualitätsmessungen
bestimmt werden. Darüber hinaus sind die Messmethoden, die Messmittel
(z.B. Uhr, Checklisten, Vergleichsmuster usw.) und die Art der Aufzeichnung
(Protokoll, EDV usw.) festzulegen.
Der Umgang mit Prozessen
und Kennzahlen ist ein Lernprozess und muss individuell gestaltet werden.
Daher sollte sich jeder Unternehmer an die Thematik herantasten und Erfahrung
sammeln. In verschiedenen Ausbaustufen lassen sich Kennzahlen bis zu einem
Kennzahlensystem weiterentwickeln, das einen Gesamtüberblick über
die Unternehmensleistung und eventuelle Schwachstellen ermöglicht und
damit die Basis für die Leistungssteigerung legt.