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Prozessanalyse

Prozesse erkennen

Im Rahmen der Bestandsaufnahme muss sich die Laborleitung klar darüber werden, welche betrieblichen Prozesse relevant sind und ob und wie diese Prozesse die Kundenbedürfnisse befriedigen, ob Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten geregelt sind und ob gesetzliche und vertragliche Anforderungen berücksichtigt werden.

Drei Prozesstypen lassen sich unterscheiden, an die unterschiedliche konkrete Anforderungen gestellt werden:

·

Führungsprozesse

Sie stellen so genannte übergeordnete Prozesse im Rahmen der Unternehmensplanung (Politik, Ziele, Programme), Organisation, Überwachung und Verbesserung dar. Sie haben vor allem steuernde und koordinierende Funktion und greifen in alle Bereiche eines Unternehmens ein.

Zu den Führungsprozessen zählen z.B.:

·

Festlegung und Überwachung von Zielen

·

Mitarbeiterqualifizierung und Mitarbeitermotivation

·

Interne Kommunikation

·

Messung und Verbesserung von Prozessen usw.

·

Kernprozesse

Dies sind die Prozesse, die unmittelbar zur Produktherstellung bzw. zur Dienstleistungserbringung erforderlich sind, wie z.B. Auftragsbearbeitung, Arbeitsvorbereitung, Fertigung, Auslieferung usw. Auch die Bearbeitung von Fehlern und Reklamationen gehört zu den Kernprozessen.

Kernprozesse dienen der Erstellung von Leistungen, für die ein Kunde bereit ist zu zahlen. Diese Kernprozesse beinhalten alle Teilprozesse vom ersten Kundenkontakt bis zur Auslieferung des Produkts an den Kunden, die Abfrage der Kundenzufriedenheit und jegliche Form der Kundenbetreuung.

Produktive und unproduktive Tätigkeiten

Alle Prozesstätigkeiten, die den Wert des Produktes erhöhen, sind wertschöpfend bzw. produktiv. Dazu zählen alle handwerklichen Arbeiten am Produkt, wie z.B. Opaker auftragen, Schleifarbeiten usw. Alle begleitenden Prozesstätigkeiten, die nicht unmittelbar den Wert des Produkts erhöhen, sind unproduktiv. Dazu zählen z.B. Vorbereitung des Auftrags, Prüfungen, Verpacken, Liefern usw.

·

Unterstützungsprozesse

Unterstützungsprozesse sind nicht unmittelbar zur Produktherstellung oder Dienstleistungserbringung erforderlich. Sie unterstützen die Kernprozesse, damit deren reibungsloser Ablauf ermöglicht wird.

Beispiele für Unterstützungsprozesse sind:

·

Beschaffung

·

Wartung und Instandhaltung

·

Prüfplanung und Prüfungen

Eine allgemeine Einteilung, welche Prozesse zu den Kern- und welche zu den Unterstützungsprozessen zu zählen sind, gibt es nicht. Vielmehr hängt die Zuordnung der Prozesse von den Kernkompetenzen eines Unternehmens ab. So ist z.B. die Abfallentsorgung für ein Dentallabor ein Unterstützungsprozess, für einen Entsorgungsfachbetrieb aber ein Kernprozess.

Prozesse analysieren

Die Prozessanalyse setzt voraus, dass die einzelnen Prozesse erkannt und abgegrenzt worden sind. Das Ziel der Prozessanalyse ist die klare und strukturierte Darstellung des Prozesses mit allen erforderlichen Tätigkeiten, mit Verantwortlichkeiten für diese Tätigkeiten und mit allen notwendigen Hilfsmitteln. Diese Darstellung ist die Grundlage für eine Beurteilung und mögliche Verbesserung eines Prozesses.

Der Einstieg in die Prozessanalyse ist erfahrungsgemäß mit Schwierigkeiten verbunden, führt aber letztlich zu einer straffen und äußerst zielorientierten Vorgehensweise bei der weiteren Umsetzung. Insofern muss diesem Aspekt neben der Bestimmung der Qualitätsziele eine entsprechend hohe Bedeutung beigemessen werden. Dafür müssen alle wesentlichen Prozessschritte in ihrer zeitlichen Reihenfolge erfasst werden. Insbesondere ist auf eine eindeutige und klare Schnittstellenregelung zwischen den einzelnen Teilschritten und auf eine exakte Zuordnung der Verantwortlichkeiten zu achten.

Für die Abgrenzung einzelner Teilprozessschritte hilft die Überlegung, was bzw. wer die damit verbundene Tätigkeit auslöst und welches Ziel damit erreicht werden soll. Damit soll sichergestellt werden, dass ein Teilschritt eine in sich geschlossene Tätigkeit darstellt. Zusätzlich können dann jedem Teilschritt die benötigten Hilfsmittel zugeordnet werden, was später die Zusammenstellung der benötigten Dokumentation erleichtert.

Anleitung für die Prozessanalyse

Aufgabe

 

Inhalt/Leitfragen

 

 

 

Strukturiere den Prozess zur Herstellung von zahn-technischen Produkten in seine Hauptprozesse.

 

Welche Geschäftsprozesse müssen für die Leistungserstellung durchlaufen werden?

 

 

 

Gliedere die Hauptprozesse in Teilprozessschritte und lege die relevanten Randbedingungen für die Teilprozessschritte fest.

 

Welche Vorleistung muss für den Teilprozess erbracht sein?

 

Zu welchem Ergebnis muss der Teilprozess führen?

 

 

 

Gliedere die Teilprozess-schritte in einzelne Tätigkeiten.

 

Welche Schritte stellen in sich abgeschlossene Tätigkeiten dar?

 

 

 

Lege die Randbedingungen für die mit den Tätigkeits-Schritten verbundenen Arbeitsschritten fest.

 

Welche Mitarbeiter sind zuständig/verantwortlich?

 

Welche Ziele verfolgen diese Tätigkeiten?

 

Welche Hilfsmittel sind für diese Tätigkeiten notwendig?

 

 

 

Entscheide, welche Dokumentation für welche Arbeitsschritte notwendig ist.

 

Besteht Nachweispflicht für diese Tätigkeiten?

 

Welche Risiken birgt die Nicht-Dokumentation?

Abbilden der Prozesse

Prozesse werden am einfachsten in Form von Flussdiagrammen dargestellt (Bild 4). Flussdiagramme geben einen guten Überblick über den gesamten Prozess. Flussdiagramme eignen sich besonders gut für Prozesse, die eine verzweigte Struktur durch Abfragen bzw. Entscheidungspunkte aufweisen, Tabellen für eher linear ablaufende Prozesse.

Üblicherweise verwendete Symbole

Die Symbole werden durch Pfeile verbunden (vgl. Bild 4).

Musterablauf am Beispiel der Materialbeschaffung

Anforderungen an die Prozesse

Die Anforderungen geben den Rahmen vor, in dem die Prozesse und Entscheidungen im Betrieb abzulaufen haben. Alle Prozesse müssen auf die Anforderungen ausgerichtet sein. Vielfach sind sie im Unternehmen nicht bekannt. Deshalb ist es notwendig, sich diesen bewusst zu werden und sie in einer ehrlichen Bestandsaufnahme zu ermitteln und zu dokumentieren.

·

Kundenanforderungen

Die Anforderungen des Kunden gehören zu den zentralen Rahmenbedingungen, die der Markt dem Betrieb setzt. Die Kenntnis der Kundenwünsche und ihre Berücksichtigung in den Geschäftszielen sind entscheidend für den unternehmerischen Erfolg.

Beispiel eines Fragebogens zur Kundenorientierung:

·

Wer sind unsere Kunden?

·

Was erwartet der Kunde als selbstverständlich?

·

Was will und was braucht der Kunde?

·

Welche Qualitätsanforderungen stellt der Kunde?

·

Welche Dienstleistungen müssen angeboten werden?

·

Welche Umweltanforderungen stellt der Kunde?

·

Interne Anforderungen

Diese Anforderungen sind im Wesentlichen aus dem Leitbild des Unternehmens und seiner Kultur und seinen Werten abgeleitet.

·

Gesetzliche Anforderungen und behördliche Auflagen sind aus den Bereichen

-

Betriebsführung

-

MPG

-

Arbeitsschutz

-

Umweltschutz

-

 definiert.

·

Normative Anforderungen

Hier sind besonders hervorzuheben:

·

DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagementsysteme)

·

DIN EN ISO 14001 (Umweltmanagementsysteme)

·

EN ISO 13485 (Qualitätssicherungssysteme für Medizinprodukte)

Jeder einzelne Prozess muss sich mit seinen Ergebnissen an diesen Anforderungen orientieren. Die Prozessanalyse muss dies berücksichtigen. Anhand der Prozessdarstellung, z.B. als Flussdiagramm, lässt sich erkennen, ob der Prozess in der Lage ist, die Anforderungen zu erfüllen. Bei Bedarf ist der Prozess anzupassen.

Bewerten und Korrigieren der Prozesse

Neben der strukturierten Darstellung der praktizierten Prozesse umfasst das Bewerten des Ist-Zustandes das Sammeln der bestehenden internen und externen Unterlagen und die Zuordnung dieser Unterlagen zu den dargestellten Prozessen.

Um eine Bewertung vornehmen zu können, sind die einzelnen Prozessschritte, die festgelegten Verantwortlichkeiten und die zugeordneten Dokumente und Hilfsmittel auf Schwachstellen zu prüfen. Die Schwachstellenanalyse erfolgt auf der Grundlage der Anforderungen und wirtschaftlicher Aspekte. Das Ergebnis der Schwachstellenanalyse ist die Aufstellung des Handlungsbedarfs, d.h., welche Prozesse müssen an welchen Stellen und in welchem Umfang verändert bzw. optimiert werden.

Die folgende Tabelle kann als Checkliste für diese Vorgehensweise dienen.

Zusammenstellen der internen Unterlagen

·

Organisationsrichtlinien

·

Anweisungen

·

Spezifikationen, Formblätter, Vorgaben

 

Zusammenstellen der externen Unterlagen

·

Kundenanforderungen, Marktanforderungen

·

Gesetze, Verordnungen, Vorschriften

·

Vorschriften zu sekundären Anforderungen aus Arbeitssicherheit, Lärm- und Umweltschutz

Zuordnen zur gewählten Gliederung

·

nach Prozessen

 

Beurteilen des Ist-Zustandes

·

Werden die Kunden-/Marktanforderungen erfüllt?

·

Werden die technischen Anforderungen erfüllt?

·

Werden die wirtschaftlichen Erfordernisse erfüllt?

·

Werden die Normanforderungen erfüllt?

·

Gibt es kritische Abläufe, die nicht durch die Norm abgedeckt sind?

·

Zusammenstellen der Defizite hinsichtlich technischer, Normen-, Kunden- und Marktanforderungen

 

Aufstellen des Handlungsbedarfs

·

Prüfen, welche Prozesse bzgl. der Anforderungen abgedeckt sind, welche zu überarbeiten und welche neu zu erarbeiten sind

·

Prüfen der Prozesse auf Schwachstellen/Verbesserungsmöglichkeiten

Tabelle 3: Vorgehensweise zur Bewertung und Korrektur von Prozessen

Vor dem Hintergrund der sich immer wieder ändernden Anforderungen und im Sinne einer ständigen Verbesserung müssen regelmäßig kritische Schwachstellenanalysen vorgenommen und Prozesse angepasst werden.

Beispiele für Verbesserungspotentiale können sein:

·

Die Prozesskosten sind hoch.

·

Es gibt oft Nacharbeiten oder Rückfragen.

·

Der Kunde reklamiert häufig.

·

Einsatz veralteter Technologien

·

übermäßiger Datenaustausch zwischen den Teilprozessen

·

hoher Überwachungs- und Kontrollbedarf

·

hohe Ersatz- und Lagerbestände

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